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Zur Geschichte des Hospitals

Dagmar Reimann: Chronik der Gemeinde Heimburg, 1995

Nach einer Stiftungsurkunde vom 19. Dez. 1557 übergab der Abt des Klosters Michaelstein Graf Ernst von Blankenburg an das Heimburger Hospital 3 Hufen Land mit einer Mühle im Birkental und 1 1/2 Hufen Land beim Pfarr Holze. Weiterhin wurde das Hospital mit dem Wald, die "Horst", vom Klostergut belehnt.

Das Hospital "Zum Heiligen Geist" befand sich in der Gründungszeit außerhalb des Dorfes. Es brannte 1644 teilweise aus. Da bis zur Erneuerung dieser evangelisch kirchlichen Einrichtung 1740, in der Regierungszeit Herzog Carls, Hospitanten in Heimburg untergebracht waren, ist zu vermuten, daß das Gebäude weiter genutzt oder ein ähnliches zur Verfügung stand. Der noch heute vorhandene Gewölbekeller könnte älteren Ursprungs sein.

Im Inventarium von 1748 ist das Hospital ausführlich beschrieben: "...15 Fach lang, 8 Fach breit, unter einem breiten Ziegeldache, die Fache anher gemauert und mit Kalk angeworfen, vor der Tür eine steinerne Treppe mit 6 Tritten ..., Säulen und Balken grau gestrichen, in dem Haus eine Glocke zur Rechten...".

Das Hospital war mit einem Versammlungsraum, 14 Kammern, einer Krankenstube, einer Küche mit Herd und 2 großen Kesseln, einem Bierkeller, einem Holzstall und einem angrenzenden Garten ausgestattet. Für die Krankenpflege waren, in geringer Zahl, Hemden, Decken, Mäntel, Strohsäcke, Kranken- und Badegeräte vorhanden.

Das Hospital war eine Stiftung und mußte sich selbst tragen. Unterstützt wurde es durch das fürstliche Amt Heimburg mit 8 Talern im Jahr. Durch die Landverpachtung erzielte man jährlich 7 Taler und 37 Scheffel Gerste vom Erbzinsacker. Außerdem gab die Mühle 3 Taler und 78 Scheffel Roggenmehl ab. Hinzu kamen die Pacht für ein Grundstück in der Lühnergasse in Blankenburg, der Erlös für das verkaufte Bau- und Brennholz aus der "Horst', Jagdpachten und Zinsen verliehener Kapitalien. Auch die Einkaufsgelder der Hospitanten spielten für die Einnahmen eine nicht unbeachtliche Rolle. Finanziell war das Hospital so gut gestellt, daß es 1724 einen Kredit über 130 Taler für den Kirchenumbau geben konnte.

Im 19. Jahrhundert wurde ein Teil der Horst an die Schützengesellschaft verpachtet, später fand ein Flächentausch statt.

Das Hospitalgebäude wurde 1754 unter der Assecurationsnummer ass. 57 in die Brandversicherungsgesellschaft aufgenommen. Es hatte zu jener Zeit einen Schätzwert von 825 Talern. 1914 betrug der Gebäudewert 18 000 RM.

Das Hospital sollte alten, bedürftigen Menschen aus Heimburg, Benzingerode und Michaelstein evangelischen Glaubens eine Unterkunft gewähren. Wer in das Hospital aufgenommen werden wollte, mußte 10 Taler (1935 eine Summe von 125 RM) Einkaufsgeld zahlen, ein Alter von über 50 (später 60) Jahren nachweisen, körperlich und geistig gesund aber bedürftig sein. Der Zuspruch war so groß, daß Wartelisten angelegt werden mußten. Beispielsweise kaufte sich die 1797 geborene Witwe Knochenhauer 1829 in das Hospital ein und konnte jedoch erst 1865 aufgenommen werden.

Die Hospitalbewohner erhielten eine kleine Rente und eine bestimmte Menge Mehl pro Woche. Einige, noch rüstige Hospitanten, verdienten sich ein Zubrot. Im Hospital waren nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Eheleute untergebracht, von denen einige erst im Hospital geheiratet hatten.

Jeder war verpflichtet, an der Morgen- und an der Abendandacht, sowie an allen Gottesdiensten und Betstunden teilzunehmen. Nach der Hospitalordnung durfte das Haus nicht ohne Erlaubnis verlassen werden. Das Beherbergen von Besuchern war untersagt. Für das Reinigen der Räume und die laufenden Kosten war jeder selbst zuständig.

Wer krank war, wurde von den Mitbrüdem und -schwestern gepflegt. Dr. Kottup und Dr. Lüdecke versahen die medizinische Betreuung. Später übernahm diese Funktion Dr. König aus Derenburg für eine jährliche Summe von 50 Mark.

Wer sich den Hospitalregeln nicht unterordnete, wurde mit Disziplinarstrafen belegt. Ständige Streitereien oder tätliche Auseinandersetzungen führten unweigerlich zur Ausweisung.

Unter den 10 bis 14 Hospitalisten wurde ein Hofmeister gewählt. Er hatte Streitfälle zu schlichten, für die Reinigung zu sorgen und Mängel zu melden. Seinen Anweisungen mußten die Hospitalbewohner Folge leisten. Erwähnt wurden als Hofmeister Matthias Müller (1726), Heinrich Schmeckebier (1760), Heinrich Engelke (1763), Siegmund Rummert (1800), Christoph Schröder (1808), Friedrich Lampe (1880) und Ludwig Wolf (1905). Für die Ausübung dieses Amtes bekamen sie 2 bis 3 Taler im Jahr.

Den Vorsitz des Hospitals hatte der Pfarrer. Seit 1727 bezog er dafür jährlich 4 Schock Wasen (Reisigholz) aus dem Hospitalforst und 1 Taler und 5 Groschen für Papier und Schreibarbeiten. Jeder neu aufgenommene Hospitalbewohner mußte außerdem 1 Taler zahlen.

Der Lehrer aus Heimburg hielt sonnabends den Nachmittagsgottesdienst. Dafür erhielt er eine geringe finanzielle Vergütung. Ein Hospitant wurde zum Bibelvorleser ernannt.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden auch Personen ohne christlichen Glauben im Hospital aufgenommen. Sie zahlten einen bestimmten Tagessatz.

Bis 1962 betrug die Einkaufssumme 125 Mark. Die alten Menschen wurden durch die Gemeindehelferin und Diakonieschwester Waltraut Beckmann betreut.

In den 6Oer und 70er Jahren wurde eine gründliche Sanierung des Gebäudes vorgenommen. Diese Initiative der Kirche bewahrte das Hospital vor dem Abriß.

Link: Evangelische Freizeithäuser

 

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